Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit haben Prädiabetes – erhöhte Blutzuckerwerte, die noch nicht die Schwelle zum Typ-2-Diabetes erreichen. Eine neue Studie zeigt nun: Wer den Zustand aktiv umkehrt, schützt sein Herz nachhaltig.

Forscher um Dr. Andreas Birkenfeld vom King's College London und Universitätsklinikum Tübingen werteten zwei große Langzeitstudien mit jahrzehntelanger Nachbeobachtung aus – das US-amerikanische Diabetes Prevention Program und die chinesische DaQing-Studie. Das Ergebnis, veröffentlicht in The Lancet Diabetes & Endocrinology: Teilnehmer, deren Blutzucker wieder Normalwerte erreichte, hatten ein um 58 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben oder mit Herzschwäche ins Krankenhaus eingewiesen zu werden. Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sank um 42 Prozent.

Bemerkenswert: Die Schutzwirkung hielt über Jahrzehnte an. Reine Lebensstil-Interventionen – also mehr Bewegung und gesündere Ernährung ohne tatsächliche Normalisierung des Blutzuckers – zeigten in den gleichen Studien dagegen keinen signifikanten Effekt auf Herz-Kreislauf-Ereignisse. „Entscheidend ist die echte Remission, nicht bloß die Verzögerung des Diabetes“, betont Birkenfeld. Prädiabetes-Remission könnte sich damit als vierte große Präventionssäule etablieren – neben Blutdruckkontrolle, Cholesterin-Management und Rauchverzicht.

Weltweit ist etwa jeder dritte Erwachsene in den USA und fast jeder fünfte in Großbritannien von Prädiabetes betroffen. Die Studienergebnisse legen nahe, dass Ärzte künftig nicht nur auf einen gesünderen Lebensstil hinwirken, sondern gezielt die Rückkehr zu normalen Blutzuckerwerten anstreben sollten.

Quelle: Birkenfeld A et al., The Lancet Diabetes & Endocrinology (2026), DOI: 10.1016/S2213-8587(25)00295-5