Forscher der Università Cattolica in Mailand haben herausgefunden, dass Placebo-Pillen bei älteren Menschen die Gedächtnisleistung und körperliche Fitness verbessern – selbst dann, wenn die Teilnehmer wissen, dass sie ein wirkstofffreies Präparat einnehmen.

An der dreiwöchigen Studie, veröffentlicht im International Journal of Clinical and Health Psychology, nahmen 90 gesunde ältere Erwachsene teil. Sie wurden zufällig drei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt keine Behandlung, eine zweite bekam Placebo-Pillen unter dem Vorwand, es handele sich um ein aktives Nahrungsergänzungsmittel, und die dritte Gruppe erhielt dieselben inaktiven Pillen, wurde jedoch offen darüber informiert, dass es sich um ein Placebo handele.

Das überraschende Ergebnis: Beide Placebo-Gruppen zeigten nach drei Wochen signifikante Verbesserungen. Die körperliche Leistung stieg in der getäuschten Gruppe um 7 Prozent, in der offen informierten Gruppe sogar um 9,2 Prozent. Auch die kognitive Leistung verbesserte sich – um 12,6 bis 14,6 Prozent beziehungsweise 6,9 bis 21,5 Prozent je nach Test. Besonders das Kurzzeitgedächtnis profitierte. Die Stresswerte sanken am stärksten bei den Teilnehmern, die wussten, dass sie ein Placebo nahmen.

Die Effekte sind laut den Forschern um Professor Francesco Pagnini vergleichbar mit denen experimenteller Bewegungs- oder kognitiver Trainingsprogramme. Offen etikettierte Placebos könnten damit eine ethisch vertretbare Ergänzung für gesundes Altern sein. Die Studie wurde im Rahmen des italienischen Age-IT-Projekts gefördert.

Quelle: Università Cattolica del Sacro Cuore / ScienceDaily, 25. Juni 2026 — Barbiani D. et al., International Journal of Clinical and Health Psychology