Kalzium- und Vitamin-D-Präparate gehören zu den meistverkauften Nahrungsergänzungsmitteln weltweit — vor allem ältere Menschen nehmen sie in der Hoffnung ein, ihre Knochen zu stärken und Stürze zu vermeiden. Eine der größten Übersichtsstudien zu diesem Thema stellt diesen Nutzen nun grundlegend infrage.

Forschende aus Kanada werteten 69 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 153.902 Erwachsenen aus. Das Ergebnis, veröffentlicht im British Medical Journal (BMJ): Weder Kalzium allein noch Vitamin D allein noch die Kombination beider Präparate senkte das Risiko für Knochenbrüche oder Stürze in klinisch bedeutsamem Ausmaß. Die Evidenz dafür bewerteten die Autoren als „moderat bis hoch".

Die Ergebnisse galten unabhängig von Alter, Geschlecht, bisherigen Knochenbrüchen oder der Kalziumaufnahme über die Ernährung. Auch für Hüftfrakturen — die gefährlichste Form von Knochenbrüchen im Alter — zeigte sich kein schützender Effekt.

Die Studienautoren empfehlen, die routinemäßige Verschreibung dieser Präparate zu überdenken. Stattdessen sollten Ressourcen in Maßnahmen fließen, deren Wirksamkeit belegt ist: Gleichgewichtstraining, Kraftübungen und individuelle Sturzpräventionsprogramme. Wichtig: Die Ergebnisse gelten nicht für Menschen mit bestimmten Knochenerkrankungen oder solche, die bereits Osteoporose-Medikamente einnehmen.

Quelle: Massé O et al. Calcium, vitamin D, or combined supplementation to prevent fractures and falls: systematic review and meta-analysis. BMJ 2026;393:e088050. DOI: 10.1136/bmj-2025-088050